Wer über die Brücke bei Sønderborg auf die Insel Als fährt, landet in einem Revier, das unter deutschen und dänischen Küstenanglern seit Jahrzehnten einen festen Platz hat. Als liegt an der Schnittstelle zwischen Ostsee und Kleinem Belt, zwischen Jütland und den süddänischen Inseln. Das macht sie zu etwas Besonderem: Die Küstenlinie ist außerordentlich vielfältig, die Meerforellen sind zahlreich, und ganz im Süden schiebt sich die Halbinsel Kegnæs mit weiteren Hotspots ins Bild.

Meerforelle auf Als in der Nacht gefangen
© Holger Bente

Die Meerforelle auf Als

Als hat immer zu den Klassikern gezählt, wenn es um die Küstenfischerei auf Meerforellen geht – einerseits weil die Küstenstrukturen sehr abwechslungsreich sind, andererseits weil es von Natur aus immer viele Meerforellen entlang der Strände und Steilküsten gegeben hat – was auch an den nach wie vor vorbildlichen dänischen Aufzuchtmaßnahmen liegt. Die Entwicklung geht klar in Richtung selbstreproduzierende Bestände in zahlreichen kleinen Bächen, was sich in den Fängen bemerkbar macht: Jedes Jahr landen auf Als Meerforellen über fünf Kilogramm in den Keschermaschen, und die wirklich großen Fische kommen regelmäßig aus dem Bereich Südals und Kegnæs.

Besonders interessant ist Als auch als Winterrevier. Viele Meerforellen aus nördlicheren Gewässern ziehen südwärts, um zu überwintern, wenn die Kälte richtig einsetzt – Meerforellen vertragen die Kombination aus hohem Salzgehalt und niedriger Wassertemperatur schlecht. Die brackigen Meeresarme zwischen Als und dem Festland – der Als Fjord, der Als Sund und der Augustenborg Fjord – bieten dann ideale Bedingungen. Oft sind es im Winter größere Schwärme von kleineren Meerforellen, die dort für eine kurzweilige Fischerei sorgen können.

Aber die Chancen auf richtig dicke Meerforellen sind immer vorhanden: Die wirklich großen Fische bis über 5 Kilo folgen gerade im Frühjahr oft den Heringsschwärmen, die zum Laichen in die Flensburger Förde ziehen. Diese Traumfische werden oft an der Südküste von Als und Kegnæs gefangen. Blinker, Wobbler oder Küstenfliegen in silbergrauem oder silberblauem Dekor sind dann erste Wahl, um die begehrten Heringe zu imitieren.

Meerforellenangler im Belly Boat in der Sandvig Bucht
© Holger Bente

Die besten Angelplätze

Kegnæs Drejet

Drejet ist einer der Plätze, an die Als-Kenner oft als Erstes denken, wenn die Rede von Meerforellen über fünf Kilo ist. Die Landzunge verbindet Kegnæs mit der Insel Als und schnürt dabei die Bucht Høruphav ab. Direkt nach der Überfahrt über den Damm kann man links parken – hier beginnt einer der allerbesten Plätze auf ganz Als. In Richtung Südwest vor dem Leuchtturm Kegnæs Fyr wartet eine wunderschöne Steilküste mit tiefem Wasser dicht unter Land, großen Steinen und Blasentangfeldern – erstklassige Jagdgründe für Meerforellen. Das tiefe Wasser und die Strömungsverhältnisse machen diesen Platz auch zu einer der allerbesten Adressen fürs nächtliche Meerforellenfischen im Sommer. Aber auch während des restlichen Jahres ist dieser markante Platz – wenn es Wind und Wellen zulassen – immer eine gute Anlaufstelle.

Kegnæs Ende

Am Ende der Halbinsel Kegnæs kann bei Grønmark fast direkt am Wasser geparkt werden. Kegnæs Ende bietet gute Strömungsverhältnisse, tiefes Wasser dicht unter Land und einzelne große Steine, die Fische oft halten. Im Frühjahr ziehen die Fische besonders dicht unter Land – deswegen immer vor dem Hineinwaten die ersten Würfe trockenen Fußes machen! Abwechslungsreicher Untergrund mit Seegras, Blasentang und Rinnen bietet ideale Bedingungen für Meerforellen. Beide Richtungen lassen sich befischen, aber die Spitze südlich des Parkplatzes ist besonders vielversprechend, wenn die Strömung stärker drückt – alles in allem ein guter Ganzjahresplatz, besonders aber im Frühling und Sommer.

Gammel Pøl

Gammel Pøl ist die südöstlichste Spitze von Als. Vor der Küste erstreckt sich das große Pøls Rev in die Ostsee hinaus – ein Riff aus sehr großen Steinen, das hunderte Meter weit reicht. Für den Küstenangler bietet sich ein herrlicher Abschnitt mit großen Steinen und kleinen Riffen mit Blasentang. In Richtung Südwest verläuft ein Damm, an dem ebenfalls kleine Riffe und Wannen befischt werden können. Zahlreiche große Meerforellen wurden hier schon gelandet. Gammel Pøl fischt besonders gut im Frühjahr bei auflandigem Wind und leicht getrübtem Wasser.

Meerforellenangler im Frühjahr bei Hummelvig in Dänemark
Meerforellenangler im Frühjahr bei Hummelvig
© Holger Bente

Hummelvig

Hummelvig an der Südostseite der Insel ist ein weiterer Top-Platz für Meerforellen – ganz besonders im Frühjahr, wenn die Seeringelwürmer schwärmen. Im Prinzip lässt sich die gesamte Strecke von Gammel Pøl bis Hummelvig befischen. Es gibt einige wirklich schöne Wannen, die gründlich abgefischt werden sollten, bevor man sich auf die ersten Riffe wagt. Wer es in der kalten Jahreszeit auf große blanke Meerforellen abgesehen hat, kann sich an diesem feinen Platz berechtigte Hoffnungen machen.

Nørreskoven

Die kilometerlange Küste östlich des Waldgebietes Nørreskoven nordwestlich von Fynshav ist mit fast acht Kilometern ein herrlich ausgedehntes Revier mit tollen Chancen auf Meerforellen. Immer wieder trifft man auf kleinere Riffe und Rinnen, die es zu befischen lohnt. Der gesamte Abschnitt ist ein Ganzjahresplatz und ist jederzeit für einen großen Fisch gut. Wer Lust hat, seinen Rucksack zu packen und einen ganzen Tag lang mit der Angelrute an der Waldküste entlangzuwandern und zu fischen, erlebt Als von einer seiner schönsten Seiten.

Hellesø Strand

Die Küste vor Hellesø ganz im Nordwesten von Als bietet ein Meerforellenrevier der Spitzenklasse. Geparkt wird bei Hellesøgård, ganz nah am Wasser. In nordöstlicher Richtung sind es zahlreiche Wannen und Rinnen, die besonders im Frühjahr Fische halten. In südwestlicher Richtung hat man eine gut einen Kilometer lange Strecke mit tiefem Wasser dicht unter Land, Steinpackungen, großen Steinen und reichlich Blasentang. Hellesø ist ebenfalls ein hervorragender Ganzjahresplatz für Meerforellen.

Stevning Næs und Sandvig

Stevning Næs westlich von Sandvig bietet eine wunderschöne Küste mit vielen großen Steinen und Blasentangfeldern. Hier fischt man mit einer Steilküste im Rücken. Bei auflandigem Wind – also Westwind – sind die Chancen im Frühjahr sehr gut. Die sich direkt nördlich anschließende große Bucht Sandvig ist ein alter Klassiker auf Als. Der Boden fällt gleichmäßig ab mit Kies, Seegras und Muschelbanken – ein idealer Platz fürs Fliegenfischen und leichtes Spinnfischen. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, Strecke zu machen, um die umherziehenden Meerforellenschwärme zu finden. Stevning und Sandvig sind vor allem im Frühjahr und Herbst eine gute Adresse für Meerforellenfans.

Hornhecht vor Kegnaes gefischt
© Holger Bente

Hornhecht

Wenn Ende April und Anfang Mai die Hornhechte in die flachen dänischen Küstengewässer einfallen, gehört Als zu den besten Adressen im ganzen Land. Die langen, silberglänzenden Räuber jagen dann in Schwärmen dicht unter der Wasseroberfläche und liefern an leichtem Gerät eine ungemein spannende Fischerei. Besonders produktiv sind die Bereiche mit Strömung und Seegras – also Drejet, Kegnæs Ende und die offenen Küstenabschnitte der Westküste sowie der Strand vor Hellesø. Topköder sind, wie fast überall, kleine Heringsfetzen, die an der Pose oder Wasserkugel angeboten werden. Richtig gut funktioniert auch das Fischen „ohne Haken“ mit der Spinnrute: Statt eines Drillings einfach eine Silkekrogen-Schlaufe in den Sprengring hängen. In diesen feinen Fäden aus Kunstseide verfangen sich Hornhechte bei ihrer Attacke mit ihren Zähnen und können sicher gelandet werden.

Plattfische

Für Brandungsangler bietet Als ebenfalls sehr gute Möglichkeiten. Am Damm bei Drejet gibt es an der Außenseite Richtung Ostsee exzellente Chancen auf Plattfische. Dieser Platz ist aber nicht nur wegen der Fische beliebt, sondern weil man vom Auto zum Angelplatz nicht weit schleppen muss. Ebenfalls praktisch: Auf der Innenseite des Damms lassen sich bei ruhigem Wetter reichlich Wattwürmer als Köder finden. Ebenfalls klasse zum Brandungsangeln ist der Abschnitt westlich von Sønderby auf Kegnæs: Hier ist tiefes und strömungsreiches Wasser in Wurfweite.

Bootsangeln

Die Gewässer um Als bieten viele geschützte Plätze, die ideal fürs Fischen vom Kleinboot oder Kajak aus sind. Die Buchten von Høruphav, Sandvig, der Augustenborg Fjord und viele der kleinen Buchten auf der Innenseite zwischen Jütland und Als lassen sich meistens sogar dann noch befischen, wenn an der Außenseite der Insel zu hohe Wellen das Fischen unmöglich machen.

Meerforellenfischen im Als Fjord bei Steg
© Holger Bente

Fazit

Die Insel Als bietet gleich mehrere Vorteile für deutsche Angler: Sie ist in nur einer halben Stunde mit dem Auto ab Flensburg zu erreichen und über eine Brücke angebunden. Fast bei jeder Windrichtung lässt sich noch ein geschützter Platz finden, an dem das Fischen möglich ist. Und sie vereint eine unglaubliche Vielzahl an Uferstrukturen auf kleinem Raum, sodass sich übers ganze Jahr Hotspots finden, an denen Meerforellen unterwegs sind. Als Küstenangler kann man je nach Wasser- und Wetterverhältnissen recht schnell den Angelplatz wechseln und jederzeit auf den ersehnten Fischkontakt hoffen. Besser geht das Angeln in Dänemark kaum, oder?

 

 

aktualisiert am 15.07.2026