Wer zum ersten Mal mit der Fähre nach Ærø übersetzt, spürt es sofort: Hier ticken die Uhren anders. Die kleine Insel südlich von Fünen, mitten im südfünischen Inselarchipel gelegen, hat sich eine Ursprünglichkeit bewahrt, die man in der modernen Welt immer seltener findet. Kopfsteinpflastergassen in Ærøskøbing, Windmühlen auf sanften Hügeln, weitgehend unberührte Strandabschnitte – und eine rund achtzig Kilometer lange Küstenlinie, die auf Angler wartet.

Die Stille Insel mit großem Fischpotenzial

Kein Wunder, dass Ærø unter Meerforellenfans in ganz Europa einen ausgezeichneten Ruf genießt. Die Insel bietet auf vergleichsweise engem Raum eine bemerkenswerte Vielfalt an Revieren: Steilküsten mit Blasentangfeldern, flache Sandbuchten, Muschelriffe, markante Landspitzen und ruhige Buchten, in denen das Wasser im Frühjahr schnell warm wird. Was immer der Wind auch bringt – auf Ærø findet sich fast immer ein geschützter Küstenabschnitt, an dem sich in Ruhe angeln lässt.

Wattwurmsuche vor Borgnaes
© Holger Bente

Die Meerforelle: Zielfisch Nr. 1

Wer an Ærø denkt, denkt zunächst an die Meerforelle. Das ist kein Zufall. Der Verein Havørred Fyn, der sich gezielt für gesunde Meerforellenbestände auf Fünen, Langeland und Ærø einsetzt, setzt jährlich rund 45.000 junge Meerforellen in Zusammenarbeit mit der Ærø Sportsfiskerforening aus. Diese konsequenten Besatzmaßnahmen zeigen Wirkung: Kapitale Fische sind keine Seltenheit, und rund um die gesamte Insel können Meerforellen gefangen werden – zu jeder Jahreszeit.

Die besten Zeiten sind der Frühling – konkret März und April – sowie der Herbst von September bis November. Im Frühjahr zieht es die Meerforellen in die flachen, sich schnell erwärmenden Buchten, wo sie mit gutem Appetit auf Kleinfische, Garnelen und Wattwürmer jagen. Das ist die klassische Situation, von der Küstenangler träumen: aktive Fische in flachem, überschaubarem Wasser, oft sichtbar als Jagdringe an der Oberfläche. Kurze, warme Perioden im kalten Frühjahr, in denen die Wassertemperatur einige Tage lang ansteigt, sind besonders vielversprechend – die Meerforellen werden dann spürbar aktiver und gehen auf Nahrungssuche ins Flachwasser.

Im Sommer ziehen sich viele Meerforellen in tiefere, kühlere Bereiche zurück. Doch in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung lohnt der Versuch auch dann – vor allem an Plätzen, wo tieferes Wasser direkt an den Strand grenzt. Im Herbst kehren die Forellen zurück, diesmal in bestem Laichkleid: kupferfarben schimmernde Fische, die sich mit blank silbernen Herbstforellen mischen. An fast jedem Küstenabschnitt kann man jetzt fündig werden.

Eine Wathose ist auf Ærø fast überall sinnvoll. Wer mobil bleibt und verschiedene Strände abfährt, hat die besten Karten für Fischkontakt mit dem begehrten Küstensilber. Zudem ist der Angeldruck auf der Insel deutlich geringer als in vielen anderen Revieren.

Sandbank vor Voderup Klint
© Holger Bente

Die besten Angelplätze auf Ærø

Die Landspitze Skjoldnæs bei den Dörfern Skovby, Leby und Bregninge mit ihrem 22 Meter hohen Leuchtturm im Nordwesten der Insel ist für viele Angler der Lieblingsabschnitt der gesamten Küste. Und das hat gute Gründe: Direkt unterhalb des malerischen Leuchtturms liegt eine steinige Küste mit tiefem Wasser dicht unter Land. Man folgt vom Leuchtturm aus einem kurzen Pfad hinunter ans Wasser. Der Untergrund ist außergewöhnlich strukturreich – große Steine, Blasentangwälder und ein ausgedehntes Riff in nordöstliche Richtung, an dessen Kanten sich oft eine spürbare Strömung ausbildet. Dort sind fast immer Meerforellenaktiv. Der Platz ist ganzjährig befischbar und verträgt auch kräftigen Wind, ohne einzutrüben. Fischt man nach Nordosten weiter, erreicht man Næbbet – ein großes Riff, das vor allem im Sommer und Herbst besonders produktiv ist.

Zwischen Skjoldnæs und Søby liegt Haven, ein Platz, der auf Luftaufnahmen zunächst unspektakulär wirkt – und genau deshalb oft übergangen wird. Dabei weist er mehrere kleinere Steinriffe und an verschiedenen Stellen tiefes Wasser dicht unter Land auf. Besonders dort, wo der dunkle Untergrund in Sand und Seegras übergeht, halten sich regelmäßig Meerforellen auf.

Urehoved ist eine markante Landzunge nördlich von Ærøskøbing, die sich weit ins Inselarchipel hinausstreckt. Rundum – sowohl an der Spitze als auch entlang der Nordseite – kann man fast ganzjährig mit Meerforellen rechnen. An der Spitze gibt es einen großen Parkplatz, von dem aus man direkt loslegen kann. Der Untergrund besteht aus mittelgroßen Steinen mit einzelnen Tangbüscheln. Weit draußen an der Spitze fällt das Wasser so tief ab, dass Watangeln nicht notwendig ist – wäre auch bei den runden und rutschigen Steinen eine halsbrecherische Angelegenheit.

Das flache Gebiet vor dem Damm östlich von Borgnæs ist ein guter Winterplatz, wo die Meerforellen gerne ins flache Wasser ziehen. Der schlammige Untergrund erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung früher als die steinigen Küsten – ein Vorteil in der kalten Jahreszeit. Hier empfiehlt sich das Fischen direkt vom Damm aus, zum Beispiel mit Fliege am Sbirolino.

Die malerische Landzunge von Eriks Hale an der Südostseite der Insel bietet ein besonderes Angelerlebnis  mit Blick auf Langeland. Die Außenseite der Landzunge weist Riffe und Wannen im Wechsel auf – ideale Strukturen, an denen Meerforellen gerne auf Beutefang gehen. Direkt an der Spitze fällt das Wasser in Wurfweite steil in die Tiefe ab. Bei hartem Westwind, wenn die nach Westen exponierten Plätze unbrauchbar werden, ist Marstal bei Eriks Hale auf jeden Fall eine Top-Alternative.

Drejet  ist ein weiteres Highlight mit außergewöhnlichen Bodenverhältnissen: große Riffe sowohl dicht unter Land als auch 30 bis 50 Meter vom Ufer entfernt, wechselnde Strukturen, kurz: all das, was ein Top-Meerforellenrevier ausmacht. Wer bei Niedrigwasser fischt, kann als Fliegenfischer die weiter draußen liegenden Riffe erreichen. Der Platz fischt besonders gut bei raueren Bedingungen mit etwas Welle.

Am südlichsten Punkt der Insel liegt Vejsnæs Nakke – einer der bekanntesten Plätze fürs nächtliche Fischen im Sommer. Der Platz bietet in westlicher Richtung mehrere Riffe und Landspitzen mit Wannen und größeren Steinen, in östlicher Richtung liegt das größte Riff des Platzes. Watangeln ist möglich, aber anspruchsvoll; ein Watstock ist hier auf jeden Fall eine gute Investition.

Olde Mark ist einer der bekanntesten Plätze auf Ærø und hat über die Jahre mehrfach sehr große Meerforellen geliefert. Die schroffe Außenküste mit großen Steinen in wechselnden Größen und Blasentang, unterbrochen von kleinen Landspitzen, bietet idealen Lebensraum für große Meerforellen, die hier dicht unter Land auf Jagd gehen.

Auch in Dänemark gilt: Rapsblüte ist Hornhechtzeit!
© Holger Bente

Hornhecht: Frühjahrsspaß zur Rapsblüte

Ein besonderes Ereignis auf dem Angelkalender von Ærø ist die Hornhechtzeit, die typischerweise Ende April bis Anfang Mai beginnt – wenn auf dem Festland der Raps blüht und der Frühling endgültig Einzug hält. Dann fallen die schlanken, rasanten Räuber massenhaft in die flachen Küstengewässer rund um die Insel ein und liefern an leichter Spinnausrüstung oder an der Fliegenrute packende Drills.

Hornhechte sind fast überall rund um die Insel zu fangen. Besonders produktiv ist der Bereich um Skjoldnæs im Nordwesten. Die klassische Methode: eine kleine Wasserkugel mit einem kurzen Vorfach mit einem Fischfetzen als Köder. Auch kleine Spinner und Blinker oder eine Küstenfliege funktionieren gut.

Plattfische: Bewohner der Sandbänke

Wer nicht ausschließlich auf Meerforelle und Hornhecht aus ist, findet auf Ærø auch gute Bedingungen für Plattfische. Flundern und Klieschen stehen an verschiedenen Abschnitten der Insel, besonders auf den sandigen Bereichen in der Søby-Bucht nördlich von Søby. Von Mai bis Oktober werden gute Flundern, Klieschen und Schollen gefangen. Mit einer klassischen Plattfischmontage und Wattwurm oder Seeringelwurm als Köder ist man gut beraten. Wattwürmer lassen sich übrigens recht gut in der sandigen Bucht zwischen Borgnæs und Ærøskøbing suchen.

Mit der Fähre nach Ærø
© Holger Bente

Fazit zum Angelurlaub auf  Ærø

Ærø ist kein Revier für Angler, die in kurzer Zeit möglichst viele Fische landen wollen. Es ist ein Revier für Menschen, die Angeln in Dänemark als Teil eines Erlebnisses verstehen: ein Morgen an einer verwunschenen Steilküste oder einem einsamen Strand, der Geruch von Blasentang, der Ruf einer Eiderente und irgendwann, inmitten all dieser Entspannung, der unvermittelte Biss einer Meerforelle!

Die hübsche Insel an der Ostsee Dänemarks verbindet in seltener Weise landschaftliche Schönheit, historisches Flair und spannende Angelmöglichkeiten – und das mit einem Fischereidruck, der niedrig genug ist, um echte Entdeckungen zu machen. Wer im Frühjahr oder Herbst ein Ferienhaus auf Ærø mietet und die Angelrute im Gepäck hat, wird die Insel mit Sicherheit in allerbester Erinnerung behalten und vielleicht schon den nächsten Trip planen.

 

 

aktualisiert am 14.07.2026